Einradfahren Eine neue Leidenschaft

Ich brenne. Ich brenne für eine Sportart. Ich bin ein Kind des Ruhrpotts. Da liegt es nahe, dass man schnell mit dem Fußball in Kontakt kommt. Nicht so bei mir. Fußball ist nicht meine Sportart. Eigentlich war ich überhaupt kein sportlicher Typ. Bis zu einem Aktionstag, der vieles veränderte.

Erstkontakt

Am 20. Mai 2017 saß ich das erste Mal auf einem Einrad und es hat mich gepackt. Der Rad-Club Buer/Westerholt 1982 e.V. lud zu einem Eltern-Kind-Aktionstag ein, um eine Einradgruppe für Erwachsene zu etablieren. Meine Tochter fuhr bereits in dem Verein, sodass ich der Einladung bereitwillig folgte.

„Es wird nicht leichter. Du wirst einfach besser.“
„Es wird nicht leichter. Du wirst einfach besser.“

Natürlich lief es am Anfang nicht unbedingt rund und meine Trainerinnen hatten so ihr Bedenken, ob das Einrad und ich wirklich Freunde werden. Aber mein Ehrgeiz jedoch war geweckt. Zwei Tage später nahm ich bereits am ersten Training für Erwachsene teil. Zwei Wochen später war ich Mitglied im Verein. Ein eigenes 20 Zoll Einrad war auch schnell bestellt.

Nach einigen Wochen und gar nicht so viele blaue Flecken gelangen bereits die ersten Meter ohne helfende Unterstützung. Das war keine Sache von Talent, sondern sturen Übens: aufsteigen, fallen, wieder aufsteigen. Ich nutzte jede Gelegenheit, mir das Einrad zu schnappen und zu üben. Mein Training dokumentierte ich in Wort und Bild bei Facebook.

Muni

Um die Weihnachtsferien 2017 herum war ich mit dem Einradfahren soweit, um einen Schritt weiter zu gehen. Ich war mit meinem Einrad bereits draußen unterwegs, bewegte mich aber ausschließlich auf mehr oder weniger ebenen Parkplätzen und Schulhöfen.

Ich lud mir über die Feiertage im Verein ein 20 Zoll Muni aus, ein Mountain Unicycle. Im Gegensatz zu meinem Halleneinrad zeigt hier schon die Bereifung: das Ding gehört raus in die Natur, in grobes Gelände. Von da an ging es regelmäßig mit den Muni in den nahen gelegenen Stadtwald, später sogar auf die Halde Rungenberg.

Die 20 Zoll Räder sind nicht unbedingt für längere Strecken geeignet, aber meine Touren lagen immer bei 10 bis 15 km. Die Leihgabe ging zurück an den Verein und ich kaufte mein zweites Einrad: ein 20 Zoll Muni.

Erster öffentlicher Auftritt

Am 18. Februar stand der erste öffentliche Auftritt beim Marler Frauensporttag an. Bereits im Vorjahr hatten unsere Jugend Freestyle Gruppen das Publikum mit einer kleinen Kür unterhalten. Dies sollte in diesem Jahr wiederholt werden. Auch die noch frische Erwachsenengruppe hatte einen Part.

Ich glaube, Jugend und Erwachsene waren am Tag der Aufführung gleichermaßen aufgeregt. Ich war es. Und ich patzte beim Auftritt. Ein ungeplanter Abstieg und ich war raus. Die Gruppe führte ihre Kür zwar erfolgreich zu ende, aber ärgerlich war es schon.

Zebracup

Das Einrad ist sehr vielseitig. Neben dem Freestyle in der Halle und den Touren auf dem Muni, gibt es auch regelmäßige Wettkämpfe in athletischen Disziplinen. Am 01. Mai 2018 stand das Einrad-Rennen Zebracup in Duisburg an, das für Anfänger ein guter Einstieg ist. Wettkampfluft schnuppern und so.

Einrad-Rennen
Einrad-Rennen

Es bildete sich eine kleine, gemischte Einrad-Renngruppe in unserem Verein, bestehend aus der Jugend und mir als einzigen Erwachsenen. Für unsere erste Wettkampfteilnahme meldeten wir uns für die Disziplinen 100m und 4x100 Staffel an.

Einrad-Rennen werden auf Tartanbahnen gefahren. Dem RC Buer stand leider keine geeignete Trainingszeit zur Verfügung. Wir hatten jedoch das Angebot der erfolgreichen Einrad-Abteilung des DJK Adler in Bottrop, uns an ihrem Training zu beteiligen. Wir nahmen das Angebot dankend an.

Es ging deutlich sportlich zu. Nicht von ungefähr stellen die Adler den aktuellen Deutschen Meister und die Vizemeister im Einradrennen.

Der ursprüngliche Plan sah vor, dass ich mit meinem 20 Zoll Einrad die Rennen bestreite. Die Trainerin der Adler machte jedoch schnell deutlich, dass niemand über 13 Jahren an den Wettkämpfen mit so einem kleinen Rad teilnimmt. Kurzentschlossen kaufte ich also mein drittes Einrad: ein 24 Zöller.

Der Renntag im Duisburger Stadion war eine interessante Erfahrung. Mein 100m Rennen war nicht besonders erfolgreich. Wieder einmal führte ein ungeplanter Abstieg zur Disqualifikation, aber mit der Staffel wurden wir zumindest nicht letzte.

Deutsche Meisterschaften Einrad-Rennen

Der Zebracup lag hinter mir, aber es zeichnete sich bereits der nächste Wettkampf ab: die Deutschen Meisterschaften Einrad-Rennen. Dort treffen sich die besten Fahrer*innen aus ganz Deutschland. Und ich.

Die Renn-Gruppe des RC Buer wollte sich an diesem Wettkampf nicht beteilige, aber mich reizte eine Disziplin doch: das 10km Rennen. Meine Sonntagstouren auf dem Muni lagen ja auch immer bei 10 bis 15 km, wie schwer konnte das schon werden?

„Qualifikation: 10 km in 45 Minuten“

Im Gegensatz zum Zebracup gab es bei der Deutschen Meisterschaft eine Mindestqualifikation. Jeder durfte zwar am Rennen teilnehmen. Lag die Zeit jedoch hoher, als die geforderte Qualifikation, wurde das Rennen nicht gewertet und man ging leer aus.

Meine erste Trainingszeit lag bei über einer Stunde. Mehr als 15 Minuten einsparen. Das sollte eine harte Nummer werden. Doch bereits beim zweiten Training setzte ich die Marke bei 55 Minuten. Steigerung und vielleicht sogar eine qualifizierte Zeit waren möglich.

Jeden zweiten Abend ging es auf die 10 km Strecke. In Ermangelung an geeigneten Tartanbahnen musste ein breiter, wenig befahrener Radweg ausreichen.

Ich schraubte die Zeit weiter runter. Bis auf 50 Minuten für die 10 km. Schneller wurde ich nicht. Ich hatte eine Grenze erreicht. Dabei lag es weniger an der Kondition, sondern eher an der Technik: schnelle Trittfrequenz bei ausreichender Stabilität.

Selbst beim letzten Training vor dem Renntag konnte ich die 50 Minuten Grenze nicht mehr durchbrechen. Ich nahm also am Rennen teil, in dem Wissen, nicht erfolgreich vom Platz zu gehen.

Aber es sollte anders kommen.

„Das Wichtigste ist nicht das Siegen, sondern das Teilnehmen. Das Wichtigste im Leben ist nicht der Triumph, sondern der Kampf. Es ist nicht wesentlich, gesiegt, sondern gut gekämpft zu haben.“

Am Renntag stieg die Anspannung. An der Startlinie kochte das Adrenalin in mir. Das Startsignal erfolgte. Ich stürzte wenige Meter nach der Startlinie. Der erneute Aufstieg wollte nicht gelingen. In mir brannte das Adrenalin. Das Einrad bockte. Es eilte eine Helferin herbei. Das sah von außen nicht besonders vielversprechend aus, aber ich war wieder im Rennen.

Die schnellen und erfahrenen Fahrer*innen zogen an mir vorbei. Das war mir in dem Augenblick aber egal. Mein Körper fuhr langsam und allmählich herunter. Routiniert trat ich in die Pedale. Die Zuschauer am Straßenrand feuerten das Feld an. Ich war irgendwo dahinter, aber nicht letzter.

Kilometer um Kilometer hieß es durchhalten. Ab Kilometer 6 setzten Schmerzen ein. Absteigen war keine Option, aufgeben erst recht nicht. Ich nahm Tempo raus. Hauptsache über die Ziellinie.

Geschafft!

Erleichterung macht sich breit. Die Oberschenkel brennen, aber im Gegensatz zu vielen anderen Fahrer*innen bin ich immer noch in guter Kondition.

Bange Minuten, bis die Ergebnislisten ausgehangen wurden.

43 Minuten und 5. Platz in meiner Altersgruppe.

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